Wetterdaten Behrendorf

Es können wieder aktuelle Wetterdaten aus Behrendorf in der Wische von der neuen Wetterstation WS980WIFI (WH4000SE_WIFI) bereitgestellt werden. In der Anfangsphase künnen allerdings noch Fehler auftreten.

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Lawinenkunde Teil 4 - Lockerschneelawine 

Für Wintersportler ist die Lockerschneelawine generell weniger 
gefährlich als die Schneebrettlawine. Welche typischen 
Schneesituationen braucht die Lockerschneelawine? Was kennzeichnet 
ihren Anbruchmechanismus? Diesen Fragen gehen wir im heutigen Thema 
des Tages nach.


In den Themen des Tages vom 14.01., 21.01. und 22.01.2020 wurden 
bereits generelle Gefahren bei Lawinen, die Prozesse der 
Schneeumwandlung innerhalb der Schneedecke sowie die Lawinenart der 
Schneebrettlawinen genauer beleuchtet. Im heutigen Thema soll sich 
alles rund um die Lockerschneelawine drehen.

Markante Kennzeichen von Lockerschneelawinen sind ein punktförmiger 
Anriss und eine birnenförmige oder kegelförmige Sturzbahn (siehe 
Bild). Lockerschneelawinen fordern im Vergleich zu Schneebrettlawinen
weniger als 10 % der Lawinenopfer. Bei Lockerschneelawinen kommt 
Schnee, oft spontan selbst oder durch Ski- und Snowboardfahrer 
ausgelöst, in Bewegung und reißt beim Abgleiten immer mehr Schnee 
mit. Der typische "Schneeballeffekt", durch den die Lawine beim 
Abgleiten immer größer wird. Die Hauptgefahr besteht darin, dass man 
aus dem Gleichgewicht gebracht und mitgerissen wird oder von einem 
Felsen abrutschen kann. Eine Verschüttung des auslösenden 
Wintersportlers findet normalerweise nicht statt, weil die Lawine 
unter ihm abgeht und die Schneemassen nicht so mächtig sind. 
Gefährlich wird es nur für andere Personen, die sich in der 
hangabwärts gerichteten Fließbahn der ausgelösten Lawine aufhalten.  


Eine Lockerschneelawine ähnelt dem "sluff" (sluff: eine kleine lose 
Schneelawine). Sluff ist der Schnee, den der Ski- oder 
Snowboardfahrer selbst losfährt, wenn man in steilen Hängen im 
Gelände unterwegs ist. Der Pulverschnee rollt nach unten und nimmt 
immer mehr Schnee mit. Sluff ist nicht per Definition gefährlich, 
aber er kann genauso wie eine Lockerschneelawine stark genug sein, um
jemanden aus dem Gleichgewicht geraten zu lassen. Kommt man in eine 
Lockerschneelawine oder in seinen eigenen Sluff, empfiehlt es sich 
seitlich aus dem Gefahrenbereich wegzufahren.

"Trockene" Lockerschneelawinen treten vor allem dann auf, wenn sich 
nach Neuschneefällen der frisch gefallene Schnee an der Oberfläche 
noch nicht verfestigt hat. Dem frischen Pulverschnee fehlen dabei 
ausreichende Bindungen zur darunterliegenden Altschneedecke. Unter 
diesen Umständen kann alleine die Hangabtriebskraft in ausreichend 
steilem Gelände zur Auslösung führen. Damit die Energie, die bei 
einer Lockerschneelawine benötigt wird, auch aufkommen kann, benötigt
diese Art einen steileren Hang als die Schneebrettlawine. Meist 
treten Lockerschneelawinen bei Hangneigungen zwischen 40 und 60 Grad 
auf.

"Nasse" Lockerschneelawinen entstehen hingegen bei Durchfeuchtung der
obersten ungebundenen Schneeschicht. Die Durchfeuchtung kann durch 
Tauwetter mit plötzlich erhöhter Erwärmung oder längere 
Sonneneinstrahlung hervorgerufen werden. Bei letzterem sind vor allem
südseitige Hangexpositionen sowie mit Felsen durchbrochene 
Schneedeckenbereiche begünstigt. Die dunkleren Felsen absorbieren das
einfallende Sonnenlicht und geben die aufgenommene Wärmeenergie an 
die umgebenden Schneedeckenbereiche ab. Nasse Lockerschneelawinen 
können auch schon bei weniger als 40 Grad Neigung losbrechen, 
verhältnismäßig groß werden und erreichen schnell viel Kraft. Wenn 
die komplette Schneedecke durchfeuchtet ist, können sie auch bis zum 
Grund abgehen, und das sogar auf Hängen unter 30 Grad Neigung.

Mit Tief LOLITA gibt es an den Alpen heute eine frische Packung 
Neuschnee. In den Bayerischen Alpen fallen oberhalb von rund 1000 m 
bis zum Mittwoch 10 bis 25 cm, in Staulagen des Allgäus auch bis 40 
cm Neuschnee. Bei Sturm- bis Schweren Sturmböen, exponiert auch 
orkanartigen Böen wachsen im Tagesverlauf vor allem teils leicht 
auslösbare Triebschneeansammlungen. In höheren Lagen kann der 
Neuschnee an felsdurchsetzten Steilhängen auch in Form mittelgroßer 
Lockerschneelawinen abgehen. Der Bayerische Lawinenwarndienst hebt 
daher heute die Gefahrenstufe oberhalb der Waldgrenze von mäßig auf 
erheblich, darunter von gering auf mäßig an. 


M.Sc. Sebastian Altnau
Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 28.01.2020

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