Wetterarchiv Behrendorf

Hinweis: ab 1. Januar 2023 erfolgt die Aktualisierung der WsWin-Wetterdaten aus Behrendorf nur noch am 1., am 11. und 21. eines Monats. Aktuelle Daten gibt es unter https://wischewetter.info.

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Aktuelle Warnlage

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Wissenschaft kompakt

Gewitter und Saharastaub


Aktuell sorgt Saharastaub teils für eine deutliche Eintrübung des 
Himmels. Diese Staubpartikel können das Wettergeschehen maßgeblich 
beeinflussen. Können sie auch Gewitter verstärken?


Hoch KONRAD und sein Mitspieler JANNIS bestimmen das Wettergeschehen 
in weiten Teilen von Mitteleuropa. Auf der Rückseite des Hochs werden
dabei sehr milde Luftmassen nach Deutschland geführt. Gleichzeitig 
beeinflusst ein Höhentief den südwestlichen Mittelmeerraum sowie 
Teile Nordafrikas. Dort kommt es über Nordafrika und der Sahara zu 
Schauern und Gewittern, wodurch Saharastaub aufgewirbelt und weit 
nach Norden bis nach Mitteleuropa transportiert wird. 
Trotz Hochdruckeinfluss präsentiert sich der Himmel am heutigen 
Sonntag daher vielerorts nicht völlig klar. Sichtbar wird der 
Saharastaub durch eine milchig-weiße bis leicht gelbliche Einfärbung 
des Himmels. Diese entsteht durch die Streuung des Sonnenlichts an 
den Staubpartikeln in der Atmosphäre.
Die Staubaerosole wirken zudem als Eiskeime und können dadurch die 
Wolkenbildung beeinflussen. Bei solchen Wetterlagen bilden sich daher
häufig hohe Schleierwolken, die die Sonneneinstrahlung dämpfen. 
Dadurch kann auch die Temperaturentwicklung etwas geringer ausfallen 
als ursprünglich prognostiziert.
Doch welchen Einfluss haben solche Staubausbrüche auf die 
Gewitterbildung?

Gelangen größere Mengen Saharastaub in höhere Schichten der 
Troposphäre, kann dies die atmosphärische Stabilität verändern. 
Staubpartikel absorbieren einen Teil der kurzwelligen einfallenden 
Sonnenstrahlung, wodurch sich in der Höhe eine relativ warme 
Luftschicht bildet. Diese wirkt wie eine Art Deckel und kann die 
Entwicklung von Schauern und Gewittern zunächst hemmen.
Gleichzeitig agieren Staubpartikel jedoch auch als Kondensations- und
Eiskeime. Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeigt, dass 
Hagelereignisse bei erhöhter Staubbelastung über Mitteleuropa 
häufiger auftreten können. In den untersuchten Fällen lag die 
Staubkonzentration an Tagen mit Hagel im Durchschnitt etwa 1,8-mal 
höher als an Tagen ohne Hagel.
Durch die erhöhte Anzahl an Aerosolen in der Troposphäre verzögert 
sich häufig der Niederschlagsbeginn. Dadurch können sich mehr 
unterkühlte Wassertröpfchen bilden - ein entscheidender Prozess für 
die Entstehung von Hagel.
Allerdings zeigt sich dieser Effekt vor allem bei moderaten 
Staubmengen. Bei sehr hohen Staubkonzentrationen überwiegt die 
stabilisierende Wirkung der erwärmten Luftschicht. In diesem Fall 
werden Aufwinde abgeschwächt und die Entwicklung kräftiger Gewitter 
kann teilweise unterdrückt werden.
Betrachtet man verschiedene Gewittertypen, zeigt sich ein 
differenziertes Bild: Schwache Einzelzellengewitter werden durch 
Saharastaub häufig eher gehemmt. Multi- und Superzellengewitter 
können hingegen unter bestimmten Bedingungen sogar begünstigt werden.
Durch die größere Anzahl an Aerosolen entstehen mehr unterkühlte 
Wassertröpfchen und der Niederschlagsbeginn verzögert sich. Dies kann
langlebige Gewitterzellen fördern.
Zudem kann bei solchen Gewittern auch eine erhöhte Blitzaktivität 
auftreten. Durch die größere Anzahl an Eispartikeln in der 
Gewitterwolke kommt es verstärkt zu Ladungstrennungen - ein wichtiger
Prozess für die Blitzentstehung. Besonders Wolkenblitze können 
dadurch häufiger auftreten.
Aktuell ist vor allem im Südwesten des Landes eine erhöhte 
Staubkonzentration erkennbar. Dazu sind bereits Morgen über dem 
südwestlichen Bergland einzelne Gewitter nicht ausgeschlossen. Am 
Dienstag und vor allem am Mittwoch treten dann voraussichtlich etwas 
häufiger Gewitter auf. Da es sich dabei meist um schwache 
Einzelzellengewitter handeln dürfte, könnte die erhöhte Konzentration
an Saharastaub in der Troposphäre einen hemmenden Einfluss auf deren 
Entwicklung nehmen.

M.Sc. Meteorologe Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 08.03.2026

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