Wetterarchiv Behrendorf

Hinweis: ab 1. Januar 2023 erfolgt die Aktualisierung der WsWin-Wetterdaten aus Behrendorf nur noch am 1., am 11. und 21. eines Monats. Aktuelle Daten gibt es unter https://wischewetter.info.

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Aktuelle Warnlage

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Wetter aktuell

Tauwetter und Hochwasser?



Ab der Nacht zum Mittwoch setzt in einigen Regionen starkes Tauwetter
ein. Welche meteorologischen und hydrologischen Faktoren bestimmen 
dabei, wie viel Schmelzwasser tatsächlich in die Flüsse gelangt?


Die zweite Februarwoche startete weitgehend mit ruhigem und nach 
Südwesten hin auch mit mildem Winterwetter. Verantwortlich dafür war 
HOCH EMMERAM, welches am gestrigen Montag mit seinem Schwerpunkt über
dem Baltikum lag. EMMERAN hat sich nun aber unter allmählicher 
Abschwächung zum Schwarzen Meer verlagert. Gleichzeitig erfasste uns 
bereits am Morgen die Okklusionsfront eines Tiefs bei den Britischen 
Inseln. Damit kamen bereit in der Früh im Südwesten die ersten 
Regenfälle auf. Größere Niederschlagsmengen kommen dadurch aber 
zunächst einmal nicht zustande.
Dies ändert sich jedoch in der kommenden Nacht: Dann greift bereits 
das teilokkludierte Frontensystem eines neuen Tiefs mit Kern 
nordwestlich von Irland auf den Südwesten des Landes über. Dabei 
setzen im Schwarzwald gegen Mitternacht, verstärkt durch einen 
herannahenden markanten Randtrog, kräftige Regenfälle ein. Aufgrund 
der sehr milden Luftmasse setzt im Hochschwarzwald Tauwetter ein. 
Dort liegen oberhalb von etwa 900 Metern 10 bis 30 Zentimeter Schnee,
auf den Gipfeln, wie beispielsweise auf dem Feldberg rund 50 
Zentimeter. Die tieferen Lagen sind allerdings überwiegend 
schneefrei, was die mögliche Hochwassersituation etwas entspannt.

Die Niederschläge halten am Mittwoch insbesondere im Schwarzwald 
tagsüber an. Am Abend ist voraussichtlich mit einer kurzen 
Unterbrechung zu rechnen, bevor in der zweiten Nachthälfte erneut 
kräftige Regenfälle einsetzen. Mit diesem zweiten Niederschlagsschub 
werden voraussichtlich die Staulagen des Nordschwarzwaldes die 
größten Niederschlagssummen erhalten. Dort wird bis zu diesem 
Zeitpunkt jedoch selbst in den Hochlagen kein Schnee mehr liegen. 
weshalb sich dort insgesamt nicht ganz so hohe Abflussmengen ergeben.
Die Niederschläge halten auch am Donnerstag weiter an. Erst in der 
Nacht auf Freitag schwächen sie sich ab und gehen allmählich wieder 
in Schnee über. Insgesamt werden im Schwarzwald bis Freitagnacht 
verbreitet 40 bis 80 Liter pro Quadratmeter erwartet. In einigen 
exponierten Staulagen sind sogar Mengen von über 100 l/qm möglich.
Welche Faktoren spielen neben der Niederschlagsmenge und der 
Schneehöhe eine Rolle bei der Einschätzung des Hochwasserpotenzials? 
Ein wichtiger Punkt ist der Wassergehalt der Schneedecke. Frisch 
gefallener Neuschnee besitzt einen Wassergehalt von lediglich 0,5 bis
1,5 Millimetern pro Zentimeter, feuchter Altschnee hingegen von 3,0 
bis 5,0 Millimetern pro Zentimeter. Dies spielt insbesondere bei 
einer verbreiteten, dicken Schneedecke eine große Rolle. Zudem ist 
entscheidend, ob die Schneedecke vollständig wegtaut oder nur 
teilweise, da sie Regenwasser bis zu einer bestimmten Menge aufnehmen
kann. Taut die Schneedecke jedoch vollständig ab und ist der Boden 
zusätzlich aufgrund einer vorangegangenen kalten Witterungsperiode 
bis in tiefere Schichten gefroren, gelangt das gespeicherte Wasser 
direkt in die Flüsse und kann zu Hochwasser führen.
Außerdem sind bei einem Tauwetterereignis auch die Feuchttemperatur 
und der Wind von Bedeutung. Setzt Tauwetter bei einer sehr milden und
feuchten Luftmasse mit kräftigem Wind ein, taut die Schneedecke 
deutlich schneller ab. Dies führt zu einem erhöhten Wasserangebot 
innerhalb kurzer Zeit. Entscheidend, insbesondere für Hochwasser an 
kleineren Flüssen, ist zudem, ob der Dauerregen von Unterbrechungen 
begleitet wird oder ob es über einen längeren Zeitraum ohne 
Unterbrechung kräftig regnet.
Darüber hinaus spielen auch nicht-meteorologische Faktoren eine 
wichtige Rolle. Dazu zählen zum einen die Topographie der Region, zum
anderen aber auch der Versiegelungsgrad sowie die Art der Vegetation 
im Einzugsgebiet eines Flusses.
Analysieren wir diese Faktoren nun für das bevorstehende Ereignis: 
Schnee ist insgesamt nur in geringem Umfang vorhanden und beschränkt 
sich auf die Hochlagen des Hochschwarzwaldes. Dabei handelt es sich 
überwiegend um feuchten Altschnee, der in diesem relativ kleinen 
Gebiet voraussichtlich vollständig abschmelzen wird. Weitere 
Faktoren, die für Hochwasser sprechen, sind die hohen 
Feuchttemperaturen sowie der stürmische Südwestwind. Allerdings wird 
es im Zeitraum von etwa 48 Stunden nicht durchgehend zu Niederschlag 
kommen; am Mittwochabend ist eine Niederschlagspause zu erwarten. 
Hinzu kommt, dass die Böden nicht gefroren sind und aufgrund einer 
zuvor eher trockenen Witterungsphase aufnahmefähig bleiben.
Letztlich spielt auch die Topographie eine Rolle: Durch die teils 
bergige Landschaft ist die Region grundsätzlich anfällig für schnell 
ansteigende Flusspegel. Allerdings ist die Bebauung und Versiegelung 
im Schwarzwald vergleichsweise gering, was einer hohen Gefährdung 
entgegen wirkt.
Insgesamt lässt sich daraus schließen, dass in den kommenden Tagen im
Schwarzwald deutlich steigende Flusspegel zu erwarten sind. Örtlich 
kann es zu Überflutungen kommen, und an kleineren Flüssen im 
Südschwarzwald ist auch Hochwasser möglich. Eine größere, 
überregionale Hochwasserlage wird jedoch nach heutigem Stand nicht 
erwartet!

M.Sc. Met. Nico Bauer

Deutscher Wetterdienst
Vorhersage- und Beratungszentrale 
Offenbach, den 10.02.2026

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